

Das Fulbright-Programm ist nach J. William Fulbright (1905-1995) benannt. Zwei Begebenheiten waren für die Gründung des Programms von Bedeutung: Einerseits hatte Fulbright als Absolvent der University of Arkansas durch ein Rhodes-Stipendium die Möglichkeit zur einem längeren Studienaufenthalt an der Oxford University (1924-28), andererseits kam er am Ende des Zweiten Weltkriegs zu der Einsicht, dass der Einsatz von Nuklearwaffen die Beschaffenheit von internationalen Beziehungen und die Risiken des internationalen Konflikts fundamental verändert hatte.
In seinem Buch Die Arroganz der Macht (1966) bemerkte Fulbright: „Hauptziel solcher Austauschprogramme für Bildung und Kultur wie des Fulbright-Programms ist es, einen gewissen Überblick über das Wesen des Menschen und seine Bedürfnisse unter den verschiedenen nationalen Bedingungen zu gewinnen. Kein Zweig unserer Außenpolitik trägt mehr dazu bei, die internationalen Beziehungen zu menschlichen Beziehungen zu machen und das menschliche Einfühlungsvermögen bzw. die seltene und wunderbare Fähigkeit zu beleben, die Welt so wahrzunehmen, wie andere sie sehen. Unter diesem Aspekt ist der Austausch nicht ein Propagandaprogramm mit dem Ziel, das ‚Image’ der USA aufzubessern, … sondern es ist ein Programm zur Heranbildung von Einsichten und Ausblicken, das über die nationalen Grenzen hinausgeht. Anders ausgedrückt, ist internationaler Austausch keineswegs dazu da, im traditionellen Spiel der internationalen Beziehungen irgendeinen Vorteil für die eigene Nation herauszuschlagen, sondern sie will die Natur dieses Spiels ändern, will es im Atomzeitalter zivilisieren und menschlicher machen.“

Das Fulbright-Programm geht auf einen Gesetzesvorschlag des amerikanischen Senators J. William Fulbright (Arkansas) aus dem Jahr 1946 zurück. Dieses Gesetz ermächtigte den amerikanischen Außenminister, die Erlöse aus dem Verkauf von Kriegsüberschussgütern außerhalb der USA für die Finanzierung von akademischen Austauschprogrammen zu verwenden. Nachdem diese Erlöse aufgebraucht waren, wurden unterschiedliche Teile früherer Gesetzgebung den akademischen Austausch betreffend im Fulbright-Hays Act von 1961 zusammengefasst. Der Fulbright-Hays Act stellte nun eine neue Grundlage für das Programm dar, um die internationale Völkerverständigung durch bilaterale Austauschprogramme mit den Vereinigten Staaten zu fördern. Diese Gesetzgebung erweiterte den Wirkungsbereich des Fulbright-Programms, gab ihm zusätzliche Flexibilität, sah seine jährliche Finanzierung als fixe Position im amerikanischen Bundesbudget vor, und gab auch anderen Regierungen die Möglichkeit, zu den Kosten des Programms beizutragen.

Österreich ist eines von 51 Ländern weltweit, in denen das Programm von einer autonomen und binationalen Fulbright Kommission verwaltet wird. Nach einer bilateralen Übereinkunft zwischen der Republik Österreich und den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1950 wurde die U.S. Educational Commission in Wien gegründet, und der erste österreichisch-amerikanische Austausch im Rahmen des Fulbright-Programms fand im akademischen Jahr 1951/52 statt. Nachdem der Fulbright-Hays Act im Jahr 1961 verabschiedet wurde, unterzeichneten die österreichische und die U.S. Regierung ein neues Fulbright Abkommen, das die Einrichtung der Austrian-American Educational Commission (AAEC) im Jahr 1963 vorsah.
Momentan ermöglicht das Fulbright-Programm den Austausch von StudentInnen und WissenschafterInnen zwischen den Vereinigten Staaten und 155 anderen Ländern. Seit der Einführung des Fulbright-Programms im Jahr 1946 haben über 300.000 StudentInnen, LehrerInnen und WissenschafterInnen daran teilgenommen; mehr als 2.000 amerikanische und 3.300 österreichische StaatsbürgerInnen sind AbsolventInnen des österreichisch-amerikanischen Programms. Weltweit werden jährlich etwa 7.000 Fulbright-Stipendien vergeben. Zwischen 70 und 80 dieser Stipendien werden von der Austrian-American Educational Commission (AAEC) verwaltet.
Im Fiskaljahr 2009 stellte der U.S. Kongress 235 Millionen Dollar für das Fulbright-Programm zur Verfügung. Mithilfe binationaler Kommissionen oder Stiftungen im Ausland, wie die AAEC in Wien, steuerten andere Regierungen dem Programm im Fiskaljahr 2008 etwa 60 Millionen Dollar direkt bei. Die Austrian-American Educational Commission hat ein Jahresbudget von über 1,5 Millionen Dollar.
Zusätzlich zur direkten Unterstützung der österreichischen und amerikanischen Regierungen finanziert die AAEC ihre Stipendien über Kostenbeteiligungsvereinbarungen mit österreichischen Gastinstitutionen. Momentan ist Österreich unter den wenigen Ländern, in denen die lokale jährliche Unterstützung des Programms höher ist als der Beitrag der amerikanischen Regierung.

Das J. William Fulbright Scholarship Board, ein Gremium mit zwölf Mitgliedern, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt werden, legt weltweit die Richtlinien und Verfahrensweisen für das Fulbright-Programm fest.
Gemeinsame Finanzierung und gemeinsame Entscheidungsprozesse kennzeichnen das österreichische Fulbright-Programm. Die Austrian-American Educational Commission (AAEC) besteht aus fünf österreichischen und fünf amerikanischen VertreterInnen, die von den jeweiligen Regierungen für ein Kalenderjahr ernannt werden. Der Vorsitz der Kommission wechselt jährlich zwischen österreichischen und amerikanischen Mitgliedern des Gremiums. Der/Die österreichische MinisterIn für Wissenschaft und Forschung und der/die amerikanische BotschafterIn sind Ehrenvorsitzende der AAEC.
Fulbright at Fifty: Als Teil der Festlichkeiten zum fünfzigjährigem Bestehen des Fulbright Programms in Österreich, hat die Fulbright Kommission eine Festschrift "Fulbright at Fifty. Austrian-American Educational Exchange 1950-2000" veröffentlicht. Diese vermittelt einen Überblick über das Programm mit Beiträgen von Fulbright StipendiatInnen aus fünf Jahrzehnten.
Fulbright at Sixty: Der vollständige Dokumentarfilm kann auf youtube angesehen werden: http://www.youtube.com/user/FulbrightAustria
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