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Fulbright
Storytelling

Christa Chorherr

"Das hat sicher mein Leben verändert. Es bedeutete sehr viel im Jahr 1953, aus dem noch immer besetzten Österreich in die USA reisen zu dürfen..."

Goldene Zeiten in den USA

Fulbright, was bedeutet das heute? Stipendien, Scholarships, Auslandsaufenthalte für US- amerikanische Studenten und Aufenthalte von Studenten weltweit in den USA.

James William Fulbright (* 1905; † 1995) war ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei, er vertrat den Bundesstaat Arkansas in beiden Kammern des Kongresses. International ist Fulbright heute vor allem durch das schon zu seinen Lebzeiten nach ihm benannte Fulbright-Programm der Fulbright Kommission bekannt, das auf seine Anregung im Jahre 1944 hin bereits am 1. August 1946 mit dem Ziel beschlossen wurde, Studenten, Lehrern und Professoren den Austausch zwischen ihrem Heimatland und den Vereinigten Staaten und umgekehrt zu ermöglichen und so das Verständnis zwischen Völkern und Kulturen zu fördern. Er bezog sich dabei auf seine eigenen Erfahrungen in Oxford. Zur Finanzierung sollte ein Teil des Erlöses dienen, der durch den Verkauf von überschüssigen und nicht in die Staaten zurückgeführten amerikanischen Kriegsgütern erzielt wurde. Diese Objekte wurden über den Einzelhandel zu mäßigen Preisen verkauft. Im Wesentlichen handelte es sich um Gebrauchsgegenstände sowie Kleidung, aber auch Fahrzeuge. Bis in die frühen 1980er Jahre wurde US-amerikanisches "Überschussgut" noch in eigens dafür gegründeten Geschäften verkauft. Neben gebrauchten persönlichen Ausrüstungsstücken der Soldaten wie Parkas, anderen Uniformteilen sowie Verpflegungs- und „Camping“-Artikeln (Feldbetten) wurden Blue Jeans angeboten.

Die amerikanische Fulbright-Kommission ist eine nach US-Gesetz vom 1. August 1946 gebildete Organisation, die Stipendien für einen Studien-, Forschungs- oder Lehraufenthalt im Rahmen des Fulbright-Programms außerhalb der USA an US-Amerikaner sowie für Staatsangehörige der Vertragsparteien in den USA vergibt. Der erste Austausch begann im Akademischen Jahr 1948/49 mit China, danach mit anderen verbündeten auch europäischen Ländern.

1944 als Senator Fulbright seine Überlegungen startete, standen die USA noch im Krieg gegen Deutschland und Japan, die Amerikaner waren  gerade in Europa gelandet. Er war aber jemand, der an Bildung als Mittel zum Frieden glaubte, und im Kennenlernen eines anderen Landes den Weg dazu sah. Fulbright entwickelte seine Ideen, noch bevor z.B. der Marshall Plan (Projektentwicklung ab 1947) 1948 in Kraft gesetzt wurde.

Das Fulbright-Projekt läuft immer noch, weltweit.

Ich hatte das Glück ein Fulbright Stipendium für das 1953/54 zu bekommen. Das hat sicher mein Leben verändert. Es bedeutete sehr viel im Jahr 1953, aus dem noch immer besetzten Österreich in die USA reisen zu dürfen. Damals war Stalin gerade gestorben - für Österreicher Grund zur Hoffnung auf ein Ende der Staatsvertragsblockade, allerdings war der Volksaufstand in der DDR im Juni gerade niedergeschlagen worden. Zeitgleich war Königin Elisabeth II gekrönt worden. Im August zündete die Sowjetunion ihre erste Wasserstoffbombe. Das sind nun alles keine "Österreich-Ereignisse", aber von allen nahmen wir an,  dass sie das Schicksals Österreichs beeinflussen würden.

Die USA der 50er Jahre. 1953 fand der Wechsel zwischen Truman (Demokrat) zu Eisenhower (Republikaner) statt. Sein Vize war dann Richard Nixon. Für mich war Truman damals jener Präsident, der den Abwurf der Atombombe genehmigt hatte und Eisenhower "kannte" ich schon aus der Kriegsberichterstattung im Zweiten Weltkrieg. Aber mit Politik war ich in meiner Zeit in den USA eher wenig konfrontiert. Der Korea-Krieg ging zu Ende; das merkte ich aber daran, dass das Bild des in Korea weilenden Boyfriends meines Room-Mates im Dormitory plötzlich verschwunden war; sie hatte wohl schon zu lange auf ihn warten müssen.

Es war die Zeit des Kalten Krieges, die Zeit der Aufrüstung, auch mit Atomwaffen, der Entwicklung der Wasserstoffbombe, aber auch des Glaubens an die friedliche Nutzung der Atomkraft. Es war aber auch die McCarthy Ära. Die Linken innerhalb der amerikanischen Gesellschaft wurden als Bedrohung wahrgenommen. Kennzeichnend für die McCarthy-Ära waren Vorladungen und Verhöre politisch Verdächtiger vor parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, z. B. dem Komitee für unamerikanische Umtriebe des Repräsentantenhauses. Ethel und Julius Rosenberg wurden wegen Atomspionage hingerichtet.

Aber im sonnigen Kalifornien, in Fresno, wo ich dieses Studienjahr verbrachte, war von all dem wenig zu merken. Dort erfuhr ich großzügige Gastfreundschaft, echtes Interesse für das Leben "hinter dem Eisernen Vorhang", wie Österreich, besonders aber Wien von einigen gesehen wurde. Das Leben zwischen der pazifischen Küste (z.B. Monterrey) und den Bergen der Rocky Mountains (Yosemite) bot viel Neues für den Gast aus Wien. Ich staunte: über alles! die Größe des Landes, drei Tage hatte die Fahrt im Pullman Zug quer durch Amerika von New York nach Fresno gedauert; Der Überfluss an Nahrungsmitteln (ich nahm in meiner Zeit in Kalifornien 10 kg zu!), an Kleidung (damals wurden mir mein ersten Jeans, nebst vielem anderen, geschenkt); die Verfügbarkeit von beeindruckenden Autos für "jedermann", selbst meine Mitbewohnerinnen im Dormitory fuhren "riesige Schlitten"; die Werbung, ich war baff erstaunt, als ich das erste Mal ein Lied im Radio hörte, das ein Produkt anpries (Waschmittel), und Fernsehen und Freiluftkinos....

Es war ein wundervolles Jahr, Freundschaften "halten" bis heute! Ein Jahr, das mir ein Fenster in die Welt geöffnet hat, das mir Selbstvertrauen geschenkt hat. Danke! Senator Fulbright.

Story and photo courtesy of https://christachorherr.wordpress.com/. Christa Chorherr (neé Lambacher) was an Austrian Fulbright Student at Fresno State University in 1953.

Austrian Student West Vienna Humanities